Hortensienwelt Ullmann

Botanik

Familie:
Steinbrechgewächse (Saxifragaceae)

Gattung:
Hydrangea [hydro-Wasser, angeion-bezeichnet die Gefäßform des weibl. u. männl. Blütenteils]

Arten:
90 verschiedene Arten als Sträucher, Bäume und Lianen

Heimat:
Japan, China, Korea, Philippinen, Java, Ostindien, Himalaja, Nord- und Südamerika

Entdeckung und Beschreibung:

Amerika
Der Name Hydrangea wird erstmals in der Flora Virginica (1739) von Gronovius verwendet. Der schwedische Naturforscher Linné beschreibt dieselbe Pflanze in seinem Species Plantarum (1753). Hydrangea quercifolia wird als Art in Nordamerika von Bartram (1791) beschrieben. Hippolito Ruiz Lopez und Antonio Pavon y Jiminez sammelten in Südamerika Hortensien-Arten, gaben ihnen aber den Gattungsnamen Cornidia (1798).

Asien
In Japan wurde Hydrangea schon über viele Jahrhunderte kultiviert, der Kontakt zur Außenwelt und zu Ausländern wurde aber sehr erschwert. Der japanische Herrscher Hideyoshi verbot bereits im Jahre 1587 Priestern die Verbreitung. Erst 1775 kam Carl Peter Thunberg, ein Schüler von Linné, auf die künstliche Insel Deshima bei Nagasaki, wo er als Arzt wirkte. Ihm gelang es erstmals, fünf Hydrangea-Arten zu beschreiben (1784). Siebold, der sich 1823-1829 und 1859-1862 in Japan aufhielt, gelang es erstmals, Pflanzen nach Europa zu bringen, so auch Hydrangea macrophylla „Otaksa“ nach Leyden. Siebold`s Beschreibung von 4 asiatischen Arten ist heute noch gültig. 1860 brachte der russische Botaniker Carl Johan Maximowitz im Auftrag des Zaren unter 400 lebenden Pflanzen auch viele Hortensien nach Sankt Petersburg.

Europa
In England bestand sehr früh ein Interesse an Hortensien. 1736 wurde dort die erste Hydrangea arborescens von Peter Collison aus Amerika eingeführt. - 1790 brachte Sir Joseph Bunks eine rosa Art von China nach Kew Garden bei London. Innerhalb weniger Jahre wurde sie in ganz Europa bekannt.
Im Jahre 1773 brachte der französische Botaniker Commerson die ersten Pflanzen nach Paris. In Deutschland wurden die ersten Pflanzen in großen Parks und Schlössern in Sachsen in Kübel gepflanzt. So in Pillnitz (seit ca.1800 -ca.1980 vermutlich Otaksa) und in Weesenstein.
Drei blühende Hortensien (Hydrangea macrophylla) wurden bereits auf der Blumenausstellung im Palais im Großen Garten in Dresden am 18. Mai 1829 gezeigt.
Ab 1830 ordnete der Botaniker Nicole Charles Seringe diesen Hortensien den botanischen Namen Hydrangea macrophylla zu.

Namensgebung: Hortensie / Hortensia

Diesen Namen vergab nach Angaben von Jussieu der Botaniker Commerson 1771 zu Ehren einer gewissen Frau Namens Hortense. Drei Frauen könnten der Anlaß gewesen sein.

Hortense Barré, diese junge Dame begleitete den von Frankreich aus gestarteten Botaniker Peter Commerson auf der Bougainville-Expedition (1766-1769) nach Amerika. Um der Entdeckung zu entgehen verkleidete sie sich als junger Mann. Die Tatsache, daß ihr Vorname in Wirklichkeit Jeanne war, stellt die Sache allerdings in Frage.
Hortense Lepaute, eine bekannte Astronomin, Frau eines bekannten Uhrmachers und Freundes von Commerson. Mehrere Autoren berichten, sie sei diejenige, die für die Namensgebung am ehesten in Frage kommt. Leider war ihr richtiger Vorname Nicole-Reine.
Madame Hortense de Nassau, die Tochter des Prinzen von Nassau, ist als Namensgeberin am wahrscheinlichsten, da ihr Vater an der Bougenville-Expedition teilnahm.
Die Meinung, daß die Pflanze nach Hortense, der Tochter von Kaiserin Josephine, benannt wurde ist eher unwahrscheinlich. Sie wurde erst einige Jahre nach der Benennung der Hortensie geboren.

Einige Arten, die bei uns bekannt sind:

  • Gartenhortensie / Bauernhortensie (Hydrangea macrophylla)
    Heimat: Japan, von Siebold 1829 auch als (Hydrangea hortensia)
    und Smith 1799(Hydrangea hortensis) bezeichnet.
  • (Hydrangea macrophylla ssp. serrata) Heimat: Japan
  • Schneeball-Hortensie (Hydrangea arborescens),
    Heimat: Nord-Amerika
  • Eichenblättrige Hortensie (Hydrangea quercifolia),
    Heimat: Nord-Amerika
  • Kletterhortensie (Hydrangea anomala ssp. petiolaris),
    Heimat: Japan
  • Rispen-Hortensie (Hydrangea paniculata ssp. "Grandiflora"),
    Heimat: Japan
  • Samt-Hortensie (Hydrangea aspera ssp. sargentiana/ ssp. aspera),
    Heimat: Himalaya
  • Hydrangea heteromalla, Heimat: Himalaya
  • Hydrangea involucrata Heimat: Japan (Honshu)
  • Hydrangea stellata Heimat: Japan

Botanische Besonderheiten der Garten- Bauernhortensien

(Hydrangea macrophylla)
- macrophylla [macro - gross-, phýllon - Blatt]
- verholzende Sträucher mit fertilen[fértilis- fruchtbar] und sterilen[steríl- unfruchtbar]
Blüten
- die farblich großen und sichtbaren „Blüten“ sind aber meist nur sterile Schaublüten mit
auffallenden kronblattartigen wesentlich vergrößerten Kelchen.
- Blütenanlage wird nur bei abgeschlossenem Triebwachstum, ausgereiften Trieben und
entsprechender Lichtintensität während der Freilandphase (Juni bis Oktober) gebildet.
- Blütenbildung wird bei hohen Tagesmitteltemperaturen (> 18 °C) im August/
September/ Oktober verzögert, es kann zu Blindtrieben kommen.
Danach muß die angelegte Knospe ausreifen und wie bei anderen Gehölzen überwintern
(Winterruhe). Also niemals im Herbst, Winter oder Frühjahr Triebe zurückschneiden, nur
die alten Blüten abschneiden. Die Hortensie blüht immer nur am zweijährigen Holz.
- Vermehrung identischer Nachkommen kann nur vegetativ durch Stecklinge erfolgen.
In der Züchtung hingegen werden die Blüten verschiedener Pflanzen bestäubt (gekreuzt)
und nach Ausreife ausgesät. Die entstandenen Nachkommen splitten dann mit einigen
Erbanlagen oft völlig auf. Es entstehen neue Formen und Farben. Züchtung von
Hortensien wird seit ca. 1879 in rund 40 Betrieben in Belgien, Deutschland, England,
Frankreich, Holland und der Schweiz praktiziert.
- Hydrangea macrophylla gibt es in 2 Typen.
Hortensia- Typen Ballhortensien (gerundete Blütenköpfe)
Lacecap- Typen Randblüten- Tellerhortensien
„Spitzenhäubchen“ [en. lace- Spitze,Borte] benannt durch den berühmten
Sammler und Züchter Haworth-Booth
(fertile Blüten innen, sie färben sich nur schwach und unscheinbar aus und
sterile Blüten außen am Rande des Blütenstandes)

Blütenfarben

Rot, weiß, rosa bei pH-Werten der Erde von 5,5-6.
Blau blühende Sorten benötigen zur Erreichung einer klaren blauen Blütenfarbe
einen pH-Wert von 4,3-4,5 und gelöste Aluminium-Ionen (siehe auch Pflegetipps).

Verwendung: - als Zimmerpflanze, für Balkon und Terrasse, vom Mini im
8 cm Topf bis hin
zum großen Kübel, auch als Bäumchen, Pyramide oder Ampel
- generell sind alle Hortensien-Arten nach Abhärtung winterhart
und somit ausdauernde Gehölze im Garten
- als Schnitt für Floristik (frisch oder nach völliger Ausreife an der
Pflanze auch getrocknet)

Sammlungen

Sehenswerte Gärten mit einer reichen Hortensiensammlung gibt es in Belgien, Holland, Großbritannien, Irland, Frankreich (ca. 800 Sorten und Arten) und Deutschland